

Royaler Zapfenstreich
Den royalen Zusatz trägt nur das Original, das als wohl berühmtester Teil des renommierten Edinburgh Festivals seit 1950 vor der eindrucksvollen Kulisse des Edinburgh Castle stattfindet. The Tattoo (englisch für Zapfenstreich), wie die Schotten die Edinburgher Parade kurz nennen, war im Ursprung ausschließlich der Militärmusik gewidmet.
Heute verfügt es über ein stark erweitertes Programm mit Tanz- und Gesangsdarbietungen aus aller Welt. Schwerpunkt sind trotz alledem die Darbietungen der britischen Streitkräfte, allen voran die Auftritte der Massed Pipes and Drums, der Highland Dancers und des Lone Pipers. Dudelsackfans kommen bei diesem Spektakel der besonderen Art voll auf ihre Kosten.
Für einen guten Zweck
Die Eintrittskarten sind häufig Monate im Voraus
ausverkauft. Dabei ist das Tattoo keine kommerzielle Veranstaltung. Die durch den Verkauf erzielten Überschüsse der unter der Schirmherrschaft von Prinzessin Anne stehenden Veranstaltung werden wohltätigen Organisationen zur Verfügung gestellt. In jeder Show treten mehr als 1.000 Musiker und Tänzer auf. Rund 8.600 Zuschauer sind live dabei. Seit 1968 wird eine Aufführung pro Jahr im Fernsehen übertragen. 100.000 Zuschauer in über 40 Ländern verfolgen das Geschehen vor den Fernsehgeräten.


Prinz Charles nur knapp verpasst
Als wir im August 2017 den Weg zum Edinburgh Castle nehmen, begegnen uns jede Menge Übertragungswagen. Sie signalisieren uns: heute ist ein besonderer Tag. Ein freundlicher Mann vom Einlasspersonal klärt uns auf, dass die jährlich im Fernsehen übertragene Veranstaltung tatsächlich eine Zusammenstellung aus Mitschnitten von drei aufeinanderfolgenden Tagen ist. Heute ist dritter und damit letzter Drehtag. Und gestern sei, so meint er stolz, königlicher Besuch vor Ort gewesen. Prinz Charles, britischer Thronfolger, und Prinz William seien Gäste des Tattoos gewesen – ein wahrhaft großer Augenblick. Ob sich die beiden auch in
die schier endlose Schlange am Eingang eingereiht haben? Wohl kaum.
Nicht nur für Dudelsackfans ein Erlebnis der Extraklasse
Auch ohne Charles und William erlebten wir eine fantastische Vorstellung. Die Massed Pipes and Drums spielten auf höchstem Niveau. Sie sind eine eigens für das Tattoo aus mehreren Militärkapellen zusammengestellte Formation – etwa 180 Dudelsackspieler und Trommler. Die rund 80 Tänzerinnen der Highland Dancers wirbelten über die Fläche der Esplanade – so heißt der Platz vor dem Edinburgh Castle – und zeigten Tänze zu traditioneller schottischer Musik. Der Lone Piper stimmte sein einsames Lied hoch oben auf den Zinnen der Burg an. Zahllose internationale Kapellen und Tanzformationen erweiterten das Programm, bis hin zu einem Beitrag aus Japan, das erstmalig auf der Veranstaltung vertreten war.


God Save the Queen und Auld Lang Syne
Krönender Abschluss und Höhepunkt des Abends ist jedes Jahr der gemeinsame Auftritt aller Teilnehmer,
wobei stets die britische Hymne God Save the Queen und das schottische Lied Auld Lang Syne gespielt werden. Nicht weniger emotional gerät der Ausmarsch der teilnehmenden Künstler zu den Klängen von „Scotland the Brave“. Und wenn das Feuerwerk die Kulisse des Edinburgher Schlosses illuminiert, weiß man: das hier ist ganz, ganz großes Kino

Auch auf die kommende Saison können wir gespannt sein. Großartig wird es allemal, wenn es wieder heißt: „Welcome to the Royal Edinburgh Military Tattoo“. Seien Sie herzlich eingeladen, mit uns dieses besondere Musikereignis zu erleben.
Ihr Dr. Ralf Hennig



